Gitarrenverstärker-Tuning

zurück zu Schwartz:
Home
 e-mail

Amtlicher E-Gitarrensound lässt sich nach wie vor am Besten mit Röhrenverstärkern erzielen. Ob dazu unbedingt handverdrahtete "Boutique"-Verstärker notwendig sind, soll hier nicht diskutiert werden. Unbezweifelt ist, dass es gute, recht günstige Serienverstärker gibt, die häufig mit etwas Tuning den klanglichen Wunschvorstellungen deutlich näher gebracht werden können.

Zum Üben im Wohnzimmer einer Mietwohnung eignen sich kleine 5W-Röhrencombos. Diese gibt es schon zu (akzeptablen) Preisen deutlich unter 200 €, wobei deren spartanische Ausstattung dabei dem "reinen" Röhrenklang zu Gute kommt.

Nach einem Hör-Vergleich mit einem (zugegebenermaßen nur halb so teuren) anderen Verstärker fiel die Wahl auf den Gretsch "Electromatic" mit der genauen Bezeichnung "G5222 Compact Amp".

Ausgestattet ist der Verstärker nur mit dem absolut Notwendigen: außer Netzschalter und Kontrolleuchte gibt es zwei Fender-übliche Eingänge und einen einzigen Regler (Lautstärke). Eine Klangstellung ist eingebaut, allerdings fest eingestellt. Als Vorstufenröhre dient eine Sino Doppel-Triode 12AX7A. Die Endstufenröhre ist eine russische 6V6GT.

G5222 VorderseiteG5222 Rückseite

Da Gretsch inzwischen bekanntlich zu Fender gehört, war nach kurzer Internet-Recherche klar, dass der kleine "Electromatic" identisch ist mit dem aktuellen Fender "Champ 600". Natürlich wurde die Verwandtschaft versteckt durch einen anderen Bezug des Gehäuses, anderen Druck des Bedienpanels, anderen Lautsprecherstoff usw. Der "Special Gretch Design"-Lautsprecher ist der gleiche wie im "Champ", wo er dann ein "Special Fender Design"-Speaker ist. Aber spätestens der Blick auf die Elektronik-Platine bestätigt die enge Verwandtschaft.

Damit war auch klar, wie ein mögliches Tuning des robust gebauten Verstärkers aussehen könnte: im Internet wurde der Lautsprecher oft als Schwachstelle genannt - wohl ein Opfer des Sparzwangs, wenn ein kleiner, solider "Marken"-Verstärker doch günstig angeboten werden muss.

Etwas skeptisch, ob ein Ersatz für den 6"/15cm OEM-Lautsprecher tatsächlich eine hörbare Klangverbesserung bringen würde, wurde nach einem "besseren" Lautsprecher gesucht. Und der sollte ja auch nicht noch einmal so viel kosten, wie der ganze Verstärker. Tatsächlich gibt es einen guten Jensen Speaker zu einem vernünftigen Preis, der flugs bestellt und nach wenigen Tagen eingebaut war: es ist verblüffend, wie unterschiedlich sogar so kleine Lautsprecher klingen können! Da fragt man sich, warum die Hersteller nicht von vornherein die geringen Mehrkosten in Kauf nehmen, um einen deutlich besser klingenden Combo anzubieten.

Schritt für Schritt wurden dann noch einige (wenige) Kondensatoren und Widerstände ausgetauscht - und nur nach erfolgreichem Klangtest im Gerät belassen.

Man darf nie vergessen, dass der "ideale" Klang gerade eines Gitarrenverstärkers natürlich auch Geschmacksache ist, aber dass der kleine Gretsch nach dem Umbau deutlich "druckvoller" geworden ist, ist klar zu hören. Wer nicht gerade Heavy-Metal Sounds erwartet, kann dieses Verstärkerchen vielseitig verwenden (getestet mit Paula und Strat).

NB: 5W Röhren-Power sind für ein Wohnzimmer einer Etagen-Wohnung (wenn man noch Nachbarn hat) doch erstaunlich laut. Da sollte man gelegentlich auf die Endstufenverzerrung verzichten und den Lautstärkeregler einsetzen...

Andere, wohl auch billigere Verstärker, wie der am Anfang beim Hörvergleich ausgeschiedene, lassen sich wahrscheinlich klanglich auch verbessern, dazu fehlt uns aber (bisher) die Erfahrung.

Zum Schluss noch eine Warnung: Bitte den Umbau erfahrenen Technikern überlassen, da in Röhrenverstärkern gefährlich hohe Spannungen herrschen, die auch noch lange Zeit nach dem Ausschalten (auf Kondensatoren) gespeichert sein können!

Wer mehr Details zum Umbau wissen möchte, frage bitte per e-mail an.


Pfeilzum Seitenanfang


Kontakt: e-mailZurück zu "Tipps"Home
Stand: 2009-02-11
 
© 2008 Schwartz